Start Konzertkritik Wenn am Ende alles gut wird

Mister Me | 26. Januar 2020, ClubCann, Stuttgart

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Redaktionstipp:

Selten hat sich ein Künstler so nackt gemacht und sein Innerstes nach außen gekehrt. Der Pop-Sänger und Rapper Mister Me brannte am gestrigen Sonntagabend im gut gefüllten ClubCann in Stuttgart ein grandioses Feuerwerk aus Leidenschaft und unbändiger Energie ab,  getragen von einer gut harmonisierenden Band und eingepackt in emotionale, persönliche Lyrik.

Von Clemens Maguire

Aufgewachsen in der niedersächsischen Provinz Einbeck entdeckte Mister Me, der mit bürgerlichem Namen Micha Meißner heißt, recht früh, das Songwriting nicht Mittel zum Zweck ist, sondern auch Therapie sein kann. Therapie für sich selbst als Sänger, der mit 16 Jahren aufgrund einer Autoimmunkrankheit seine Körperhaare verliert. Er singt über das Alleinsein, über Depressionen („Winter“), über Selbstzweifel. Trotz seiner direkten, offenen und manchmal schmerzvollen Art der Auseinandersetzung mit sich und seinen Ängsten, wünscht er sich eins besonders: die Versöhnung. Das betont er gleich zu Beginn seiner Show. Es wäre das Schönste für ihn, wenn am Ende alles gut wird und alle miteinander ein gemeinschaftliches friedliches Gefühl entwickeln können. So auch der Titel seines neuesten Albums: „Das Ende vom Hass“.

Dieses Anliegen donnert er mit einer immensen Kraft von der Bühne herunter. Er springt wie ein wild gewordener Derwisch umher und gibt 100% Vollgas von der ersten bis zur letzten Minute, bis der Schweiß rinnt und der Atem stockt. Hier arbeitet ein Künstler, der aus dem Flugzeug springt und im freien Fall auf den Boden zusteuert, ohne Fallschirm, ohne Netz. Das wirkt wie ein Kampf mit den eigenen Dämonen ums Überleben. Mit großen ausladenden Gesten umarmt er die Zuhörer. Seine Körpersprache ist eindeutig: Ich nehme euch mit auf meine Reise.

Mit seiner Mischung aus emotionalem Songwriting und Rap hat Mister Me sich seinen ganz eigenen Platz im Universum der deutschsprachigen Singer-Songwriter erobert. Für alle, die mehr wollen als den weichgespülten Pop der üblichen Verdächtigen, die nur darauf aus sind, ihre 3-Minuten-Popmeisterwerke im Radio zu platzieren, wird wohl kein Weg an Mister Me vorbei führen. Mit deutlichen Worten, lyrischer Rhythmik, Leidenschaft, immenser Energie und Rap-Gesang hat Mister Me ein neues Genre geschaffen, hin zu einem Songwriting, das mehr Emotionen in den Liedern zulässt. Und am Ende wird alles gut.

© Clemens Maguire
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